Was ist eine soziale Innovation?

Smartphones, Elektroautos oder Künstliche Intelligenz – technologische Innovationen verändern immer mehr und immer schneller unseren Alltag. Der technologische Wandel verspricht gesellschaftlichen Fortschritt, doch klar ist auch: Technologische Innovationen alleine können gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen nicht lösen. Vielmehr erzeugen sie zum Teil auch problematische (Neben-)Wirkungen, von denen viele Menschen beruflich wie privat betroffen sind.

Exemplarisch dafür steht die aktuelle Debatte um den Begriff „Arbeit 4.0“: Zukunftsprognosen über die mögliche Anzahl bedrohter Arbeitsplätze durch Automatisierungsprozesse können bei Menschen Ängste und Ablehnung hervorrufen, wenn nicht gleichzeitig auch über die gesellschaftliche Gestaltung des Wandels und seine inhärenten Chancen gesprochen wird. Hier setzen soziale Innovationen an: Sie verfolgen das Ziel, neue Formen des Arbeitens und Lebens zu etablieren, mit denen auf negative Folgeeffekte des technologischen Wandels – wie der Automatisierung – so reagiert werden kann, dass die gesellschaftliche Wohlfahrt auch in Zukunft gesichert ist. Wir meinen deshalb: Technologische und soziale Innovationen müssen bei der Gestaltung unserer Zukunft Hand in Hand gehen.

 

Am Anfang einer jeden sozialen Innovation steht ein echtes gesellschaftliches Problem, welches in der Öffentlichkeit präsent ist und wofür neue Lösungen gesucht werden. Technologische Fortschritte können – wie im obigen Beispiel – Ausgangspunkt sozialer Innovationen sein. Sie bergen aber auch das Potenzial, als Teil ihrer Lösungsstrategie zu fungieren: So können bereits heute digitale ‚Apps’ dabei helfen, unser Leben einfacher und effizienter zu organisieren.

Manche soziale Innovation entsteht dagegen unabhängig vom technologischen Wandel. Als ein solches Beispiel können ‚Multifunktionshäuser’ gelten, die das Potenzial tragen, die Daseinsvorsorge des ländlichen Raums auf neuartige Weise zu gewährleisten oder wiederherzustellen. Die Idee eines Multifunktionshauses wird aber nur dann zu einer Innovation, wenn das Konzept von der Zielgruppe angenommen wird und dadurch eine nachhaltige Veränderung der sozialen Praxis hervorbringt.

 

Eine soziale Innovation charakterisiert sich durch ihre Neuartigkeit. Damit sind neue Ideen und Methoden gemeint, die ein gesellschaftliches Problem wirksamer lösen als bestehende Ansätze. Unserem Verständnis nach kann von einer sozialen Innovation auch dann gesprochen werden, wenn dieser Ansatz bereits andernorts praktiziert wird. Entscheidend sind die relative Neuartigkeit sowie die bessere Wirksamkeit in der Bewältigung des Problems. Das heißt, eine soziale Innovation kann anderswo bereits existieren, jedoch noch nicht auf Sachsen-Anhalt, noch nicht in eine bestimmte Kommune oder noch nicht auf eine bestimmte Zielgruppe übertragen worden sein. Es geht also um die kontextabhängige, wahrgenommene Neuartigkeit für eine Region oder eine Zielgruppe.

Das oben genannte Beispiel der Multifunktionshäuser zeigt genau das: Das Konzept existiert bereits in einigen Kommunen deutschlandweit. Trotzdem kann ein Multifunktionshaus als eine lokale soziale Innovation bezeichnet werden, wenn es in einer anderen Kommune eine neuartige Antwort auf bestehende Probleme darstellt. Das zweite Multifunktionshaus in Ummendorf (Landkreis Börde) wäre demnach keine lokale soziale Innovation mehr; das grundlegende Konzept eines Multifunktionshauses aber ist eine soziale Innovation. Gerade die gelungene (oder potenzielle) Übertragbarkeit macht aus einer Idee eine Innovation und stellt so ein wesentliches Charakteristikum sozialer Innovationen dar.

 

Im Kompetenzzentrum Soziale Innovation identifizieren wir genau solche Projekte und Initiativen, um funktionierende Problemlösungsansätze auf andere Regionen des Bundeslandes übertragen zu können. Unsere Arbeit konzentriert sich dabei auf Problemstellungen in den Bereichen Arbeit, Gesundheit, Alter und Sozialer Zusammenhalt.

 

 

 

Zusammenfassung:

Kriterien zur Identifizierung sozialer Innovationen

 

  • Ziel ist die Lösung eines gesellschaftlichen Problems zur Erhöhung der kollektiven und individuellen Wohlfahrt.
  • Eine soziale Innovation stellt räumlich, zeitlich oder kontextbezogen eine relative Neuartigkeit dar.
  • Soziale Innovationen stellen wirksamere Lösungen als bestehende Ansätze bereit.
  • Soziale Innovationen tragen zum dauerhaften sozialen Wandel bei, indem sie von der Zielgruppe angenommen werden und dadurch nachhaltig verankert sind.
  • Das Konzept einer sozialen Innovation muss potenziell übertragbar auf andere Kontexte sein.

 

Weitere, potenzielle Merkmale:

 

  • Soziale Innovationen können eine Schnittstelle zu technologischen Innovationen aufweisen.
  • Soziale Innovationen kommen häufig durch neuartige Kooperationsformen zwischen Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zustande.
  • Soziale Innovationen können skalierbar sein.
  • Neuartige Ideen entstehen bevorzugt in offenen Innovationsprozessen (zum Beispiel mit Methoden des Design-Thinkings).
  • Konsumenten werden zu Produzenten, indem eine neue Partizipationskultur etabliert und die Zivilgesellschaft zur bottom-up-Initiative bestärkt wird (Empowerment).
  • Der Moment des Schöpferischen, der im Innovationsbegriff verankert ist, impliziert die Möglichkeit unerwarteter, negativer Folgeeffekte, die gesellschaftliche Gegenkräfte hervorrufen können.
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