Themenfeld Gesundheit und Pflege

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Lange Zeit wurde die Frage nach Gesundheit mit der Abwesenheit von Krankheiten beantwortet. Im Falle einer Krankheit werden Krankenhäuser und Arztpraxen als wesentliche Institutionen des Gesundheitssystems aufgesucht. Mit Aufkommen des sogenannten salutogenetischen Ansatzes rückt eine neue Perspektive ins Zentrum: Sie fragt nach dem Entstehen und der Aufrechterhaltung von Gesundheit und bildet den Gegenentwurf zur Pathogenese, deren Gesundheitsverständnis sich um das Entstehen und die Heilung von Krankheiten dreht. Der in den 1980er Jahren vom amerikanisch-israelischen Wissenschaftlicher Anton Antonovsky aufgebrachte Richtungswechsel hat einen Wandel eingeläutet, der bis heute und bis in die Zukunft ragen wird. Lange galt: Menschen sind entweder krank oder gesund. Diese Binarität von Krankheit und Gesundheit wird abgelöst von einem Kontinuum, auf dem Menschen nach ihrem persönlichen, physischen und psychischen Wohlergehen immer wieder neu erkunden, wie gesund sie sich fühlen. Gesundheit verstehen wir in Zukunft immer mehr als selbst zu definierendes Wohlbefinden (Gesundheitsbezogene Lebensqualität); ein Gut, das in unserer täglichen Lebensgestaltung gefördert werden muss. Diese Idee von Gesundheitsförderung erweitert den traditionellen Ansatz der Prävention, der auf die gezielte Verhinderung von Krankheiten abzielt. Um Gesundheit nicht ausschließlich in die Hände von Experten zu legen, müssen Menschen geschult werden Gesundheitskompetenzen aufzubauen. Die Fähigkeit und das Wissen, gesundheitsrelevante Informationen zu kennen, zu verstehen und in die Gestaltung des eigenen Lebens einzubeziehen, fördert Selbstbestimmung, fordert aber auch Selbstverantwortung. Gesundheitskompetenzen müssen zielgruppengerecht vermittelt werden, sonst drohen vulnerablen Gruppen wie Menschen mit geringerem sozioökonomischen Status und ältere Menschen den Anschluss zu verlieren. Die Potenziale von Gesundheitskompetenzen können den Anspruch gesundheitlicher Chancengleichheit ins Gegenteil verkehren, wenn Gesundheitskompetenzen eine Frage der Bildung und der gesellschaftlichen Stellung bleiben.

Immer mehr junge und alte Menschen greifen zum besseren Verständnis ihrer eigenen Gesundheit zu Fitnessarmbändern und Apps, die Tag und Nacht Gesundheitsdaten aufzeichnen und auswerten. Wer vorher noch nicht wusste, dass er unter schlechtem Schlaf leidet, wird von den Messergebnissen überrascht und mitunter besorgt werden. Wer denkt, er bewege sich ausreichend und mittels des Smartphones feststellt, wie weit unterhalb der empfohlenen 10.000-Schritt-Marke er pro Tag landet, wird vielleicht angespornt werden, einen extra Spaziergang einzulegen oder das Fahrrad zur Arbeit zu nehmen. Der Trend zum gemessenen Selbst vereint Vorteile mit Risiken und kann im Extremfall zu einer neuen Leistungsfalle werden, in der das neu verfügbare Wissen über die eigene Gesundheit in einen Optimierungswahn umschlägt.

Fest steht, dass – egal ob mit oder ohne digitale Assistenten – ein Trend zu erkennen ist, dass Menschen sich bewusster als früher mit den Faktoren ihrer Gesunderhaltung auseinandersetzen. Gesundheit ist kein natürliches Gut, sondern wird durch die konkrete räumliche Gestaltung unserer Lebenswelten beeinflusst. In Kitas und Kindergärten steigt das Bewusstsein für gesunde Ernährung, gesunde Städte sind fahrrad- und fußgängerfreundlich und regen in Parks durch Spaß- und Sportgeräte zur Bewegung an und gesunde Büros bieten neben Arbeitsräumen für verschiedene Bedürfnisse auch Orte zum Entspannen an.

Der Trend zur Gesundheit geht so weit, dass er zum Statussymbol werden könnte. Stress wird als neues Zeichen dafür gesehen, die Herausforderungen des Lebens nicht ausbalancieren zu können (Vereinbarkeit Arbeit-Gesundheit und Arbeit-Pflege). Ein wohliger Bauch als Normalität von Alter und beruflicher Stellung weicht einem anderen Licht, in dem ein gesunder Körper als Kompass für die insgesamte Leistungsfähigkeit gewertet wird. Die Vereinbarkeit beruflicher Herausforderungen mit gesundheitlichen Bedürfnissen gilt auch für ein stärker werdendes Bedürfnis nach einem Ausgleich zwischen beruflichen und familiär-pflegerischen Tätigkeiten.

Mit einem verstärkten Fokus auf Gesundheit erlebt eine ganze Generation von Senioren neue Perspektiven für ihren Ruhestand. Aktivitäten, körperliche Anstrengungen und Erweiterungen des geistigen Horizonts eröffnen Perspektiven für ein längeres und aktiveres Leben einer alternden Gesellschaft. Auch wenn in der Kosmetikindustrie der Slogan des Anti-Aging prominent für ein jüngeres Aussehen wirbt, wandelt sich der Zeitgeist zum Pro-Aging, in dem Altern weniger negativ stigmatisiert ist.

Experten promovieren schon lange eine stärkere Beachtung und ein stärkeres Bewusstsein für Gesundheit. In einer Mischung aus gesellschaftlichem Zeitgeist und neuen digitalen und technischen Anwendungen tragen Menschen mehr denn je die Verantwortung und die Selbstbestimmung über ihr Wohlbefinden in der eigenen Hand.

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