Gender Shift

Vater mit Kleinkind auf dem Arm bei der Arbeit im Chemielabor

Frauen mit Karriere, die nicht als Rabenmütter bezeichnet werden

Väter, die Kinderwägen schieben

offene Homosexualität in Führungsetagen

oder Männer als Erzieher in Kindergärten

 

Traditionelle Geschlechterbilder und -rollen lösen sich auf. Die moderne Arbeitswelt ist geprägt von neuen Selbstverständlichkeiten, in denen individuelle Vorlieben wichtiger werden als gesellschaftliche Erwartungen. Die politische Emanzipation der Frauen, die vor rund 100 Jahren mit dem Frauenwahlrecht begann, setzt sich im 21. Jahrhundert als wirtschaftliche Emanzipation fort: Eigenes Einkommen, eigene Karriere, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit stehen für den Wertewandel künftiger Arbeitskräfte.

Zunehmend werden auch Männer Subjekt der Emanzipation: Karriere und Kinder – das gilt längst als Wunsch beider Geschlechter. Das Bild des männlichen Alleinernährers mit der umsorgenden Hausfrau im Hintergrund und mit Kindern, die zuweilen als ‚vaterlose Generation‘ bezeichnet werden, wandelt sich auch durch gezielte Anreize: Die Elternzeit kann um zwei Monate verlängert werden, wenn der Vater mindestens zwei Monate in Anspruch nimmt, das ElterngeldPlus regt Eltern an, sich Kindererziehung und Lohnarbeit gleichberechtigt zu teilen und auch der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz fördert die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies sind nur drei Beispiele, die den Wandel der Geschlechterverhältnisse – den Gender Shift – auf politischer Ebene symbolisieren.

Antreiber der Bewegung ist auch die Wirtschaft. In Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich keine Volkswirtschaft und kein Betrieb mehr leisten, 50 Prozent des Nachwuchspools auszugrenzen. Frauen weisen zwar inzwischen die höheren Bildungsabschlüsse als Männer auf, stoßen jedoch in den Unternehmen häufig auf das Phänomen der ‚gläsernen Decke‘. Damit sind Mechanismen gemeint, die von traditionellen, gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt sind und nach denen ehrgeizige und durchsetzungsstarke Frauen negativ stigmatisiert werden und männliche Netzwerke Frauen am Aufstieg in der Hierarchie behindern. Die neuen Freiheiten für beide Geschlechter verlangen gleichfalls einen Kulturwandel in Unternehmen, der den sich verändernden Bedürfnissen gerecht wird, die Chancen des Wandels erkennt und Konflikten zwischen Geschlechtern und Generationen proaktiv begegnet.

Der Trend zur Öffnung der Geschlechterbilder und -identitäten ist eindeutig, aber er vollzieht sich langsam. Noch immer werden Frauen bei gleichen Tätigkeiten schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen und noch immer wählen mehr Frauen als Männer soziale Berufe, die in der Regel schlechter bezahlt sind. Der Arbeitsmarkt ist hier Spiegelbild früherer Sozialisationsprozesse, die von der Familie über die Schule bis zu kulturell vermittelten Rollenbildern reichen, und deren Veränderung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt.

Relevanz des Themas für Sachsen-Anhalt

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Der Gender Pay Gap,  die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Männern und Frauen, liegt in Sachsen-Anhalt 2016 bei rund 2 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent. In Sachsen-Anhalt verdienen Frauen pro Stunde 15,14 EUR (16,26 EUR Bundesdurchschnitt) und  Männer 15,44 EUR (20,71 EUR Bundesdurchschnitt). Damit liegt der durchschnittliche Bruttostundenverdienst für Frauen in Sachsen-Anhalt bei 93 Prozent und bei Männern bei 75 Prozent des Bundesdurchschnitts. Frauen verdienen in Sachsen-Anhalt, vorrangig in städtisch geprägten Regionen, im Niedriglohnbereich bis 1000 EUR und im Lohnbereich zwischen 3001 - 4000 EUR mehr als ihre männlichen Kollegen (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2014). Ein Grund hierfür ist, dass die Frauenquote in Führungspositionen in Sachsen-Anhalt mit 35,6 Prozent nach Mecklenburg-Vorpommern mit 37,3 Prozent und Berlin mit 36,2 Prozent, bundesweit auf dem dritten Platz (26,6 Prozent im Bundesdurchschnitt) liegt. Damit sind in Sachsen-Anhalt rund 14.700 Frauen in Leitungspositionen tätig. Die meisten Frauen in Führungspositionen in Sachsen-Anhalt sind in ‚typischen Frauenberufen‘ des Gesundheits- und Sozialwesens (64,4 Prozent) sowie der Erziehung (62 Prozent) tätig. In Baubranchen waren es lediglich 7 Prozent der Frauen, die eine Leitungsposition innehaben (IAB Betriebspanel 2018 und 2014). Diese Differenz zwischen Männern und Frauen in Sachsen-Anhalt und bundesweit kann unter anderem auf Unterschiede in den Erwerbsbiografien, der Wahl der Berufsfelder, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt in der Vergangenheit, die vorherrschende Unternehmenskultur und den Erwerbsmöglichkeiten in Abhängigkeit zu der regionalen wirtschaftlichen Struktur zurückgeführt werden (Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt 2016).

Der Arbeitsmarkt wandelte sich in den letzten Jahrzehnten strukturell, weg vom Normalarbeitsverhältnis in Vollzeit, hin zu in vielen Fällen nicht existenzsichernder und teilweise unfreiwilliger Arbeit in Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung. In Deutschland stieg die Zahl der in Teilzeit beschäftigten seit 1991 kontinuierlich von 17,9 Prozent auf 39 Prozent im Jahr 2016 an (Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2016). Infolge des starken Wachstums der Teilzeitbeschäftigung in Ostdeutschland wuchs der Anteil dieser Beschäftigungsform in Sachsen-Anhalt bis zum Jahr 2015 auf 25,0 Prozent (25,3 Prozent in Ostdeutschland) und liegt damit über dem westdeutschen Durchschnitt von 22,2 Prozent (Statistik der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt/Thüringen 2016). Bezogen auf die Geschlechter, arbeiten in Sachsen-Anhalt 47 Prozent (44,1 Prozent Bundesdurchschnitt) aller Frauen und nur 12 Prozent (9,9 Prozent Bundesdurchschnitt) aller Männer in Teilzeit. Die meisten Frauen in Sachsen-Anhalt sind dabei in von Ihnen dominierten Berufsfeldern, wie der Reinigung; Erziehung/ soziale Arbeit bzw. Heilerziehung; der Altenpflege und im Verkauf tätig (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2014). Durch die Beschäftigung in Teilzeitverhältnissen relativiert sich der Bruttostundenverdienst der Frauen in Sachsen-Anhalt jedoch wieder. In einer Studie gaben 47,1 Prozent der in Teilzeit beschäftigten Frauen aus Sachsen-Anhalt an (35,3 Prozent Ostdeutschland) und nur 9,1 Prozent  aus Westdeutschland an, gern in Vollzeit arbeiten zu wollen (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2014). Die Rahmenbedingungen und Gründe für eine Arbeit in Teilzeit sind vielfältig, so werden im Handel oft nur Teilzeitjobs angeboten, oftmals fehlen Betreuungsangebote in Randzeiten und immer noch tragen Frauen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2014).

Der Wunsch nach einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigt. 79 Prozent aller Väter in Deutschland, die für ein im dritten Quartal 2013 geborenes Kind Elterngeld bezogen, entschieden sich für die zweimonatige Mindestbezugsdauer. Die Zahl der Elterngeldanträge von Vätern in Sachsen-Anhalt ist steigend. Immer mehr Väter wollen eine Babypause einlegen. In Sachsen-Anhalt bezogen Väter demnach im Durchschnitt 3,3 Monate (3,1 Monate Bundesdurchschnitt) und Frauen 11,7 Monate Elternzeit. Sachsen-Anhalt erreicht damit, abgesehen von Berlin, den höchsten Wert in Ostdeutschland (Statistisches Bundesamt 2015). Die zu gleichen Teilen aufgeteilte Teilzeit-Teilzeit-Lösung in der Erwerbstätigkeit bei Familien wird aktuell nur von rund 2 Prozent der Familien in Deutschland gelebt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2014).

Im Jahr 2014 waren in Sachsen-Anhalt 80 Prozent der Väter von mindestens einem im Haushalt lebenden Kind unter drei Jahren (81,6 Prozent Bundesdurchschnitt) und 43 Prozent der Mütter (31,5 Prozent Bundesdurchschnitt) erwerbstätig. Ein Grund hierfür ist, dass Sachsen-Anhalt hinsichtlich der Verfügbarkeit und Nutzung von Kita-Plätzen bundesweit eine Spitzenposition einnimmt. Dies liegt auch an der sehr guten Betreuungsquote der Kinder im Alter von unter drei Jahren von 58 Prozent (32,9 Prozent Bundesdurchschnitt) (Grundlagen einer Regionalen Innovationsstrategie Sachsen-Anhalt 2014-2020).

Zusammenfassung:

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Unsere Quellen

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